Rückblick auf eine ganz besondere Ausstellung im Museum Hexenbürgermeisterhaus
Ein gutes Dreivierteljahr lang haben wir Museum Hexenbürgermeisterhaus die Ausstellung „Die kleine Hexe. Große Mitmachausstellung nach Otfried Preußler“ präsentiert und blicken auf einen außerordentlichen Erfolg zurück. Obwohl die Geschichte von Otfried Preußler bereits über 70 Jahre alt ist, scheint sie Kinder und Erwachsene bis heute noch gleichermaßen zu faszinieren.
Es gelang uns, große Teile der Ausstellung aus dem Landesmuseum Württemberg in Stuttgart zu übernehmen und für das deutlich kleinere und verwinkelte Haus in Lemgo zu adaptieren. Interaktive Stationen, Mitmach-Elemente und altersgerechte Texte ermöglichten ein selbstständiges Entdecken und machten die Geschichte visuell wie auch haptisch erfahrbar.
Mit der Übernahme der Ausstellung war die Hoffnung verbunden, die Zielgruppe der jüngeren Kinder und Familien stärker anzusprechen. Bereits kurz nach der Eröffnung entwickelte sich die Ausstellung zu einem Publikumsmagneten und zog über gut neun Monate hinweg zahlreiche Familien, Kitas, Schulklassen sowie viele Erstbesucherinnen und -besucher ins Museum. Insgesamt schloss das Museum Hexenbürgermeisterhaus das Jahr 2025 mit über 18.000 Besuchenden ab; betrachtet man allein den Zeitraum seit Eröffnung der Sonderausstellung stiegen die Besucherzahlen sogar um rund 60 Prozent.
Ein zentraler Erfolgsfaktor war das außergewöhnlich breite und vielfältige Vermittlungsangebot, das die Ausstellung begleitete. Wie in den städtischen Museen Lemgos üblich, waren Führungen für Lemgoer Schulen und Kitas kostenfrei, zugleich besuchten die Ausstellung auch zahlreiche Gruppen von außerhalb. Ergänzt wurden die Führungen durch altersgerechte Workshopformate. So konnten große Gruppen geteilt werden und die Kinder konnten neben dem Besuch der Ausstellung noch das Erlebte etwa künstlerisch oder aktiv verarbeiten. Insgesamt kamen über 100 Buchungen von Grundschulen, OGS-Gruppen und Kitas zusammen.
Auch zahlreiche Kindergeburtstage wurden nach einem ähnlichen Konzept durchgeführt. Darüber hinaus lernten im Rahmen verschiedener (Ferienspiel)-Angebote viele jüngere und ältere Kinder die Ausstellung aus ganz unterschiedlichen Perspektiven kennen: Es wurden eigene Hexenhäuser gebaut, Zeichnen gelernt, ein kleines Hörspiel produziert, Reisigbesen gebaut oder zwischen jungen und älteren Menschen angeleitet über Kindheitserinnerungen und -literatur gesprochen.
Zahlreiche Veranstaltungen rund um Otfried Preußler und die kleine Hexe rundeten das Programm ab. Sowohl der Eröffnungstag als auch das Museumssommerfest waren geprägt von vielfältigen Angeboten wie dem eigenem Besenbau, Vorleseaktionen, Zaubershows, kreativen Stationen sowie regem Treiben im Haus und im Museumsgarten. Ergänzend fanden Kino-Nachmittage, szenische Lesungen, Bastelworkshops und weitere Formate statt. Auch für Erwachsene wurden gezielte Angebote entwickelt, darunter ein Themenabend zu Hexendarstellungen in der Kinderliteratur, für welche Preußlers „Kleine Hexe“ den Wendepunkt von der ‚bösen‘ zur ‚guten Hexe‘ bedeutete, sowie eine Veranstaltung zur Biografie Otfried Preußlers.
Zum Abschluss der Ausstellung gab es eine weitere erfreuliche Nachricht: „Die kleine Hexe“ fliegt weiter und wird voraussichtlich ab Sommer 2026 im Historischen Museum Bielefeld zu sehen sein.
30. Dezember 2025
Im Herbst und Winter haben einige spannende neue Formate ihren Weg ins Museum Junkerhaus gefunden.
Großer Beliebtheit erfreuten sich zwei außergewöhnliche Führungen im November und Dezember: Die Teilnehmenden waren dabei nicht vor Ort, sondern per Telefon miteinander verbunden! Lediglich die Vermittlerin befindet sich vor bzw. im Haus, bewegt sich durch die Räume und nimmt die Zuhörenden mit in die faszinierende Welt Karl Junkers. Mit lebendiger Sprache werden die besonderen Formen und Farben beschrieben und lassen so Bilder in den Köpfen entstehen, die mit Erzählungen zum Künstler und der Stadt Lemgo zusammengeführt werden. Die einstündige Führung weckte bei dem einen oder der anderen den Wunsch, die Alte Hansestadt und das Gesamtkunstwerk Junkerhaus einmal selbst zu besuchen. Alle Zuhörenden waren jedoch begeistert von Erbauer, Haus und Rundgang. Ermöglicht wurde dieser durch das Programm „Bei Anruf Kultur“. Mit dem inklusiv gestalteten Projekt ist es zum Beispiel auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oder Sehbehinderung möglich, Museen und andere Kulturinstitutionen deutschlandweit von Zuhause aus zu besuchen.
Während die telefonische Führung gerade die örtliche Entfernung zum Junkerhaus nutzt und damit arbeitet, wurde es in einem weiteren Format vor Ort richtig praktisch! An zwei Samstagen im November konnten insgesamt 30 Kinder ins Schnitzen mit Holz einsteigen. Inspiriert von Junkers Ornamenten, Möbeln und Stelen ging es direkt mit Schnitzmesser und Holz los. Nachdem die wichtigsten Techniken ausprobiert wurden, konnte jedes Kind ein eigenes kleines Projekt umsetzen und kreativ werden.
Anlässlich des 175. Geburtstag Karl Junkers am 30. August beteiligten sich zahlreiche Besuchende an einer Glückwunsch-Wimpelkette und ließen persönliche Botschaften im Foyer des Museums. Sogar per Post ließen uns einige Menschen wissen, welche Verbindungen sie zu dem Künstler und seinem Werk haben.
Mit Meeting in the Museum haben wir gemeinsam mit dem International Office der Technischen Hochschule OWL ein Format ins Leben gerufen, dass nun schon zum zweiten Mal stattfand. Dabei kommen internationale Studierende in eines der Museen und auch „Alteingesessene“ und Interessierte sind herzlich eingeladen. Nach einer ersten Veranstaltung im Sommer mit dialogischem Rundgang im Hexenbürgermeisterhaus und Ausklang im Garten, stand nun das Junkerhaus im Mittelpunkt. Das Gesamtkunstwerk, das der Vermittler den Teilnehmenden auf besondere Weise nahebrachte, bot auch hier viele Anlässe für Austausch und spannende Diskussionen.
Nach einem langen Prozess des Entwickelns und Ausprobierens gibt es nun ein permanentes Angebot für die jüngeren Besuchenden des Museums. Das Mitmach-Heft „Karls Traumhaus“ soll Kindern den Zugang zu Junkers Gesamtkunstwerk erleichtern und Inhalte verschiedener Ebenen nahebringen. „Mit allen Sinnen“ – so das Motto – können Sechs- bis Zwölfjährige sich auf Entdeckungsreise begeben und rätseln, malen, suchen, zuhören und anfassen. Was muss ein Traumhaus unbedingt haben? Wie hört sich eine Werkstatt an? Und wie sah das Haus früher aus? Um möglichst vielen Kindern und Interessierten eine wertvolle Erfahrung zu ermöglichen, findet mit dem Heft auch eine taktile Station ihren Platz in Junkers Werkstatt. So kann ertastet werden, wie sich Werkzeuge und Schnitzereien anfühlen. In begleitenden Hörstationen wurden außerdem Räume und Lebensabschnitte Karl Junkers vertont.
Besonders aufregend wurde es im September, als zwei Lemgoer OGS-Gruppen die ersten Versionen des Mitmach-Hefts testeten. Mit viel Engagement und Begeisterung für die eigenartige Gestaltung und die besondere Atmosphäre des Hauses verbrachten die Kinder den Nachmittag im Museum. die Grundschüler*innen und halfen uns damit in der Entwicklung ungemein. Vielen Dank an die Kinder der „Entdeckertour“ der OGS Ostschule Lemgo mit Frau Wind und Herrn Spengler sowie die Kinder der Gruppe „Kultur(er)leben“ der OGS Brake mit Kornelia Wollbrink. Die Gestaltung und Grafik von Nadine Magner (Köln) verleihen dem Heft die besondere Note.
Das Heft ist ab sofort beim Besuch des Museums kostenlos erhältlich.
Das Heft ist eine Veröffentlichung des Museumsvereins Lemgo e.V.
Wir danken dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Verein Alt Lemgo e.V. sowie der Alten Hansestadt Lemgo für die finanzielle Unterstützung.
15. September 2025
„Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler spielt eine entscheidende Rolle im Wandel des Hexenbildes in der Kinderliteratur. So eine der zentralen Aussagen von Dr. Jara Schmidt und Dr. Franziska Thiel (beide wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Institut für Germanistik der Universität Hamburg) und damit hielten sie den passenden Vortrag im Rahmenprogramm der aktuellen Sonderausstellung des Museums Hexenbürgermeisterhaus, das diesen Vortrag gemeinsam mit der VHS Detmold-Lemgo veranstaltete
Dabei skizzierten sie die Entwicklung der überwiegend bösen Hexendarstellungen aus den Grimm’schen Märchen hin zu Otfried Preußlers kleiner Hexe. Dieser hatte, um seinen Kindern die Angst vor Hexen zu nehmen, die Geschichte der liebenswerten „guten“ Hexe erfunden und damit den Wandel maßgeblich bestimmt, dahingehend Hexenfiguren als Identifikationsfiguren für Kinder in der Literatur einzusetzen. Dabei präsentierten die beiden Vortragenden viele moderne Beispiele wie die Bibi Blocksberg oder die Hexe Lili, die insbesondere durch die Marktlogik und das Interesse der Lesenden geprägt sind.
Dabei ließ der Vortrag nicht außer Acht, dass die historische, grausame Hexenverfolgung und die Forschung dazu für die Kinderliteratur kaum eine Rolle spielen. Die Bezüge zwischen der Geschichte und den Geschichten waren auch zentraler Kern der anschließenden, lebhaften und spannenden Diskussion.
04. September 2025
Mit über 500 Besucher*innen war das Sommerfest rund um die Sonderausstellung „Die kleine Hexe“ ein voller Erfolg! Bei schönstem Augustwetter wurde sich im Museumsgarten getummelt, die „kleine Hexe“ in den Ausstellungsräumen besucht und gebackene und gegrillte Köstlichkeiten genossen. Für die Unterhaltung sorgten die Teilnehmenden des Zaubertrick-Workshops, die mit Jens Heuwinkel im Rahmen des Kulturrucksacks NRW eine Show auf die Beine gestellt haben. Mit seinem „Glücksrad der Artistik“ begeisterte der Schauspieler und Artist im Anschluss selbst das Publikum und sorgte für staunende Augen und lachende Gesichter. Ehrenamtliche der „Lemgoer Lesemäuse“ der Stadtbücherei warteten mit Preußler-Geschichten auf, während Märchenerzähler Jochen Hettig gesammelte Erzählungen über Raben präsentierte.
Großer Beliebtheit erfreute sich auch wieder die „Besenwerkstatt“, in der eigene Reisigbesen nicht nur gebaut, sondern auch individuell geschmückt werden konnten. Ebenso kreativ ging es in der Druckwerkstatt zu, wo zu Motiven des Kinderbuchs die Technik der Monotypie ausprobiert werden konnte. Das Weserrenaissance-Museum Schloss Brake war ebenfalls mit einer Mitmachaktion dabei und bot die Möglichkeit, neueste Technologien zu erproben.
Zum Thema „(M)ein Sommer in Lemgo“ ist außerdem live eine Ausstellung entstanden, bei der alle Besuchenden gleichzeitig Publikum und Kurator*innen waren. Einfache Gegenstände sind so zu Exponaten geworden, die mit Beschriftung versehen und in Vitrinen gestellt wurden.
Auch der Herausforderung des Quiz zur Ausstellung haben sich einige Kinder gestellt – die glückliche Gewinnerin wurde im Anschluss per Los bestimmt und kann sich über einen Preis freuen.
Für das leibliche Wohl sorgte der Museumsverein Lemgo e.V. Wir bedanken uns bei allen Beteiligten und Besucher*innen und freuen uns aufs nächste Jahr!
06. August 2025
In den letzten Wochen herrschte Trubel im Museum: in verschiedenen Angeboten konnten insgesamt 40 Kinder von sechs bis 12 Jahren kreativ werden, sich ausprobieren und lernen. Die traditionellen Ferienspiele „Hexentanz und Zauberkraut“ (mit Kathrin Wolters und Liesel Kochsiek-Jakobfeuerborn) zu Stadtgeschichte, Heilkräutern und vielen weiteren Themen wurden in diesem Jahr mit einem Schwerpunkt auf „Die kleine Hexe“ verbracht. Die Kinder haben sich zum Beispiel eigene Reisigbesen gebaut, Trickfilme erstellt und zum Abschluss der Woche sogar musikalische und akrobatische Künste präsentiert.
In der zweiten Woche der Sommerferien landete die „kleine Hexe“ dann auf dem Zeichenkarton. Im Kurs mit dem Lemgoer Künstler Andi Wolff lernten die Kinder, wie gezeichnete Mimik und Bewegungen anhand von Details lebensecht und ausdrucksstark wirken, überlegten, was in den großen Zaubertrank gehört und was man in Lemgo wohl besser hexen könnte. Dabei kamen neben Bleistift und Papier auch Farbe und Leinwand zum Einsatz – sowohl technisch als auch thematisch konnte also viel probiert werden. Gefördert wurde der Zeichenkurs durch den Kulturfonds Lemgo.
Kreativ ging es auch in der darauffolgenden Woche weiter. Über vier Tage ist mit viel Engagement der Kinder (unter der Leitung von Franziska Jochheim und Helene Steinke) ein eigenes Hörspiel entstanden, bei dem von der Geschichte über die Dialoge, Stimmen, Geräusche und Musik alles selbst ausgedacht und aufgenommen wurde. Die Kinder hatten viel Spaß, auch wenn ganz schön viel zu tun war. Inspiriert von der „kleinen Hexe“ wird es auch im Hörspiel magisch, wenn eine Fee drei Geschwistern hilft, die bunte Katze im Wald wiederzufinden. Das Ergebnis kann sich sehen – und hören – lassen, nämlich als Audiostation im Geschichtslabor des Museums.
Mit den Ferienspielen fand im Museum Hexenbürgermeisterhaus die bisher umfangreichste Auseinandersetzung mit dem Kinderbuch von Otfried Preußler und dessen Hauptfigur statt. Es geht aber mit buntem Programm weiter, ob Sommerfest (30.08.), Zeichenkurs für Erwachsene (12.09.), Vorträge oder Herbstferienspiele, für alle ist etwas dabei!
Basteln, Zeichenkurs und Hörspielaufnahme bei den Ferienangeboten im Museum
15. Juli 2025
In einem besonderen Projekt fungierte das Museum Hexenbürgermeisterhaus als Forum für den intergenerationellen Austausch und Dialog.
Im Juli sind Schüler*innen der fünften bis siebten Klasse der Karla-Raveh-Gesamtschule mit Senior*innen aus Lemgo und Umgebung ins Gespräch gekommen. Dabei war der Ausgangspunkt, angelehnt an die Sonderausstellung „Die Kleine Hexe“ Kinderliteratur und die Erfahrungen mit Geschichten und Büchern. Alles, was die Schüler*innen interessierte – von Haustieren über Hobbies und Speisen in der (Nach)Kriegszeit – konnte besprochen werden und es entstand ein spannender Austausch.
Vorbereitet wurde das Zusammentreffen durch Recherche zu den historischen Kontexten und Überlegungen zum Führen von Interviews mit Zeitzeug*innen. Fragen, die am besten von denen beantwortet werden können, die selbst dabei waren, waren schnell klar und die Neugier geweckt. Durch das Engagement der Schüler*innen und die Offenheit ihrer Gesprächspartner*innen wurde eine von gegenseitiger Neugier und Respekt getragene Antmosphäre geschaffen und die Zeit verging wie im Flug.
Im Anschluss wurde das Gehörte und Besprochene in künstlerischer Weise verarbeitet. Dabei bauten die Schüler*innen mit verschiedenen Materialien einzelne Objekte, die eine besondere oder symbolische Bedeutung haben nach und verbildlichten die erfahrenen Lebenswelten auf ihre eigene, individuelle Art.
Das Museumsteam bedankt sich bei allen Teilnehmenden und der Karla-Raveh-Gesamtschule Lemgo.
Für einen zweiten Durchlauf des Projektes in den Herbstferien werden noch Teilnehmende von 11 bis 17 Jahre gesucht!
Schüler*innen im Gespräch mit Zeitzeug*innen und beim kreativen Gestalten
02. Juli 2025
In diesem neuen Format stand der Besuch des Museums unter dem Zeichen der Begegnung und des Austauschs. In einer dialogischen Führung am letzten Juliwochenende konnten internationale Studierende der TH OWL gemeinsam mit interessierten weiteren Besuchenden Teile der Dauerausstellung und der Stadtgeschichte sowie der Sonderausstellung „Die kleine Hexe“ erkunden. Im Anschluss fand ein entspannter Ausklang im Museumsgarten statt.
Internationale Studierende bei dialogischem Rundgang und Ausklang im Museumsgarten