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SIBALIK ALOGO. AUS LEMGO IN DIE KOLONIE

Sonderausstellung (16.6.-10.11.2024)

Ausstellungseröffnung

Sonntag, den 16. Juni 2024 um 15 Uhr  im Museum Hexenbürgermeisterhaus (voraussichtlich draußen/überdacht)

Begrüßung: Markus Baier, Bürgermeister der Stadt Lemgo

Grußworte: Lena Simanjuntak-Mertes und Karl Mertes, Deutsch-Indonesische Gesellschaft e. V.

Einführung in die Ausstellung: Simon Bucher, Museen der Stadt Lemgo, Kurator der Ausstellung

Dank & Ausblick: Fabian Schröder, Museen der Stadt Lemgo

Zwischen den Redebeiträgen zeigen Schüler:innen der Q1 der Karla-Raveh-Gesamtschule Szenen aus dem Theaterstück Im KOMA – Warenwelten und wahre Welten, das analog zur Ausstellung entstanden ist und am 01. Juli uraufgeführt wird.

Wir würden uns sehr über Ihre Teilnahme freuen – keine Anmeldung erforderlich.

Kolonialismus made in Lemgo

Wer denkt, das folgenschwere Zeitalter des europäischen Kolonialismus zeichnete sich hierzulande nur in Wirtschafts- und Kulturmetropolen wie Hamburg, Bremen oder Berlin ab, der irrt. Auch in Lippe, sozusagen unmittelbar „vor der Haustür“, finden sich zwei nicht unbedeutende Biografien, die das Gegenteil beweisen. Die Rede ist von den Lemgoer Pastorensöhnen Johannes und Ernst Neubourg, die Ende des 19. Jahrhunderts nach Indonesien auswanderten – damals noch die Kolonie Niederländisch-Indien. Auf der Insel Sumatra arbeiteten sie auf den Tabakplantagen holländischer Großkonzerne, zunächst als einfache Angestellte, später als Verwalter. Als neureiche europäische „Pflanzer“ inszenierten sich die Brüder in strahlendweißen Tropenanzügen mit erschossenen Tigern und Elefanten vor ihren Villen.

Eine neue Sonderausstellung im Museum Hexenbürgermeisterhaus zeigt nun diese kolonialen Lebenswelten in der ‚tropischen Ferne‘ und erzählt die turbulenten Lebenswege der Familie Neubourg.

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Europäische Pflanzer auf Sumatra (Johannes Neubourg: 1.v.r. sitzend)

 „Gedrehter Wind“ am Toba-See

Aber nicht nur die Neubourgs stehen im Mittelpunkt der Ausstellung, auch die Kultur des indigenen indonesischen Volkes der Batak kommt zur Geltung. Der Hintergrund dazu ist, dass die Brüder auf Sumatra zahlreiche Gegenstände der Batak gesammelt haben – nicht etwa aus wissenschaftlichem Interesse, sondern vielmehr angetrieben von einer ästhetischen Faszination für das ihnen Fremde. Ob sie diese Kunst- und Sakralobjekte jedoch gekauft, eingetauscht, geschenkt bekommen oder gar gestohlen haben, gibt dem Museum noch immer Rätsel auf – ein klassisches Problem des oft unzureichend dokumentierten kolonialen Erbes.

Grund genug aber, die uralte und noch immer lebendige Kultur der Batak in verschiedenen Ausstellungsbereichen zu Schrift, Musik, Kleidung und Handwerk zu würdigen und ihr somit einen festen Platz in der Lemgoer Geschichte zu verleihen. Schlaglichter werden in der Ausstellung „Sibalik Alogo. Aus Lemgo in die Kolonie“ besonders auf die gesellschaftlichen Veränderungen durch den Kolonialismus geworfen – dazu gehören die christliche Missionierung oder der Bedeutungswandel in der Kunst der Batak. „Sibalik alogo“, gedrehten Wind, nannte der Batak-Heiler Panggora Turnip am Toba-See dieses europäische Eingreifen, als ihm im Jahr 2005 von der Ethnologin Dr. Silke Hollenhorst die Ritualgegenstände der „Neubourg-Sammlung“ gezeigt wurden. Die Objekte hatten in seinen Augen ihren spirituellen Wert verloren, als sie in die Hände der Lemgoer gerieten.

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Ein Batak-Kalender aus Büffelrippen (porhalaan)

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Eine traditionelle Batak-Hausverzierung (gajah dompak)

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Porträt einer Karo-Batak (Postkarte 19. Jhdt.)